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Nicht jedes Monster das einem im Rollenspiel begegnet ist tatsächlich auf dem Mist der Designer gewachsen, und nicht immer bedeutet “literarische Quelle” bei einem Fantasy-RPG gleich “mythologische Sagen”. Ein paar gute Beispiele findet man beim Pathfinder-RPG. Was ich damit meine?
1.) Garuda:
Erschienen in: Pathfinder Bestiary 3
Hier kann man diskutieren was die Inspirationsquelle ist – Pathfinder beschreibt diese geflügelten Humanoiden einerseits als Outsider (wenn auch als Native), womit sie eine Ähnlichkeit mit dem Vogelmann aus der Hindu-Mythologie haben, anderseits erinnert ihre Beschreibung und auch ihr bevorzugtes Habitat an die Garuda aus den Bas-Lag-Romanen von China Miéville.
2.) Jabberwock:
Erschienen in: Pathfinder Bestiary 2
Selbst die Zeichnungen dieses Drachenähnlichen Wesens entspricht denen der Originalausgabe von Alice hinter den Spiegeln, in dem das Gedicht über den Jabberwocky steht. Lewis Carroll empfieht zur Entsorgung dieses Ungeheuers im übrigen ein sogenanntes Vorpal Sword…
3.) Mi-Go
Erschienen in: Pathfinder Adventure Path #46: Wake of the Watcher.
Wir sind ja alle Rollenspieler. Und Rollenspieler mögen ja bekanntlich Cthulhu (Ich hatte mal ein Plüsch-Cthulhu, keine ahnung wo der hingekommen ist…), also ist es wohn auch kein Wunder das die Fungi vom Yuggoth ihren Weg ins Pathfinder-System gefunden haben, oder? Was aber vielleicht nicht so bekannt ist, ist das Lovecraft den Namen nicht erfunden hat, sondern sich auf tibetanische Legenden bezogen hat.
4.) Serpentfolk:
Erschienen in: Pathfinder Bestiary 2
Wenn wir schon bei den Pulps sind, der gute H.P. hatte einen Brieffreund namens Robert, dessen bekannteste Figur mal vom Gouvantor dargestellt wurde. Zu den finsteren Geschöpfen die dieser sich als Antagonisten ausdachte gehörten die Schlangenmänner, die eher gegen König Kull kämpften und teil der allgemein herrschaenden Yog-Sothothery wurden.
5.) Tarrasque:
Erschienen in: Advanced Dungeons & Dragons Monster Manual
Okay, das strapaziert jetzt die “literarische Quelle”-Definition ein wenig, aber wer von euch wußte das die Tarasque tatsächlich ein Drache aus einer französichen Sage war, nach der eine Stadt benannt wurde (oder so)? Gut, die Karriere als unaufhaltsame Massenvernichtungswaffe kam erst später, dank EGG, aber immerhin…
Posted in: Artikel, Columne, Dungeons & Dragons, Friday Five
Guennarr
Paizo macht ja kein Geheimnis daraus, dass sie sich aus verschiedenen Quellen bedienen.
28. Januar 2012 - 23:31Ein aus unserer Sicht sehr sympathischer Zug: Monster neu zu erfinden nur des Neuerfindens wegen ist sicherlich die schlechtere Alternative.
Inspirationsquelle sind natürlich alte D&D-Monster und da insbesondere neben den bereits verwendeten OGL-Monstern von D&D all das, was mit den Tomes of Horror von Necromancer Games zugänglich ist.
Als nächstes kommen Sagenmonster ins Spiel, bei denen immer wieder sehr stark die europäische Sagenwelt Pate steht, inzwischen aber zunehmend auch Südsee, amerikanische und afrikanische Monster.
Aus der Literatur gibt es wie du schon angibst ebenfalls sehr viele Kandidaten. Lovecraft und der Mythos stehen ja in fast jedem Monsterhandbuch gleich mehrfach Pate - und das eigentlich erst seit Pathfinder-Zeiten. Zu D&D-Zeiten wollte man zwar gerne auch auf Lovecraft-Gestalten zurückgreifen, konnte aber nicht, da sich TSR in Lizenzstreitigkeiten mit dem Rechteinhaber für RSP auf Cthulu-Basis befand. Einerseits ist dem damaligen Rechtsstreit zu verdanken, dass sich TSR einige eigene sehr einprägsame Monster ausdenken musste, andererseits dauerte es deshalb bis jetzt, dass Paizo in gutem Einvernehmen mit dem aktuellen Rechteinhaber ebenfalls aus dem Lovecraft-Erbe bedienen darf.
Interessant ist Paizos Einstellung bei mehrfachem Vorkommen eines Monsters z.B. in der Literatur und Mythologie: In diesem Fall gehen sie dem Sagenursprung auf die Spur und interpretieren diesen mit Pathfinder-Regeln.
Kommt zuguterletzt die Aufgabe von uns als Übersetzern der Bände: Beim Jabberwock haben wir z.B. sehr lange über unterschiedlichen Übersetzungen des besagten Gedichts gebrütet (siehe zu den verschiedenen Versionen z.B. hier), bis wir uns für die dann letztlich verwendete Variante "Grinderlak" entschieden.
LG
G.
Infernal Teddy
Hey, das war nicht negativ gemeint - als China Miéville Fan finde ich so rückgriffe cool, wie schon die Bas-Lag Ausgabe vom Dragon. Dachte nur, es eignet sich als thema
28. Januar 2012 - 23:35Guennarr
Das war auch von mir nicht negativ gemeint. ;)
28. Januar 2012 - 23:40Wollte nur etwas beitragen und ein bisschen "klugsch..." - im Ernst: Das ist ein weites Feld, mit dem man viele Threads füllen könnte.
Und wie du schon hinweist eines, das leider oft im Dunkeln bleibt, auch wenn die Entstehungsgeschichten mancher Monster wirklich haarsträubend sind. :)
LG
G.
Infernal Teddy
Oh ja... "Rust Monster" nur mal so in den raum gestellt... :D
28. Januar 2012 - 23:42Guennarr
An das musste ich auch gerade denken. :)
28. Januar 2012 - 23:49Captain_Jack
:unsure: Hatte da jemand zuviel "Rust never sleeps" von Neil Young gehört?:confused:
30. Januar 2012 - 21:42Infernal Teddy
Gummitiere. Es hatte mit Gummitiere zu tun.
30. Januar 2012 - 21:47Captain_Jack
Gummitiere? Meinst Du so in der Art von Quietsche-Entchen?
30. Januar 2012 - 21:53Infernal Teddy
Nee, eher im sinne von Plastikdinos.
30. Januar 2012 - 21:57Guennarr
EDIT. Da war jemand schneller. ;)
Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Rust_monsterDas Zitat geht auf Gary Gygax himself zurück:
Originalquelle des Zitats: Ed Greenwood: Ecology of the Rust Monster (Dragon #88, später in Dragon #346 nachgedruckt)
LG
G. 30. Januar 2012 - 21:59
Captain_Jack
Hmh, danke für den Link. Wo ich die andere Artikel über Eulenbär und Landhai lese, da fällt mir ein, ich hatte als Kind auch so'n Landhai-Vieh bei meinen Plastik-Dinos ... impressive ... :)
30. Januar 2012 - 22:02